Neue Rubrik: YogAha
Was ist eigentlich Yoga? Teil 1

Das Bergfest ist in in den letzten Wochen irgendwie an mir vorbei gegangen. Längst liegt die Hälfte der Yogalehrerausbildung hinter mir. Nachdem es sich ja um eine 200-Stunden-Nummer handelt, bei der man eben besagte 200 Stunden absolvieren muss, liegen meine Mitazubis und ich bei ca. 120 Stunden mittlerweile, die wir uns gemeinsam auf dem Weg zum Zertifikat getummelt haben. In rund zwei Monaten ist die praktische Prüfung. In vier Wochen die schriftliche, die wir nun doch machen müssen. Was steht also noch an? Neben Lernen, Büffeln und Studieren noch die letzten Praktika. Noch 5 Wochenendtage werde ich im Yogastudio verbringen. Da gibt es noch echte thematische Highlights: zum einen werde ich Yin-Yoga lernen und zum anderen versuchen abzuheben – beim Balance-Wochenende, wo wir ganz abgefahrene Asanas lernen werden oder sie zumindest mal ausprobieren dürfen. Das schreit nach Muskelkater. Außerdem habe ich eine Muddigruppe gegründet, die ich ab sofort in loser Folge zum Wohnzimmer- oder Gartenyoga einladen werde. Ich muss dringend Praxis üben!

Im Lehrplan geht es schon bergab

Den ersten Mai habe ich im Schreibknast verbracht und zwei philosophische Buchreports á fünf Seiten in den Computer gehackt. Im Zuge dessen kam mir dann auch die Idee, dass ich die Antworten gerne weitergeben möchte, auf die ich gerade stoße:
„Was ist dieses ominöse Om?“ „Was dieses Namasté?“
„Ist Yoga was Kirchliches?“
„Für wen ist Yoga eigentlich gedacht?“ Und so weiter und so fort. Wer Fragen hat oder Vorschläge für Theman, immer her damit.
Schreibt mir einfach eine Mail an maike@kabäusken.de oder postet einen Kommentar:

Beginnen möchte ich mit der Frage:
„Was ist eigentlich Yoga? Teil 1“

„Bei dir würde ich wohl auch mal eine Stunde mitmachen. Aber ich bin überhaupt nicht beweglich.“ Häufig habe ich besonders den letzten Satz schon gehört, wenn ich von meiner Yogalehrerausbildung erzähle. Sehr, sehr oft fällt dann das persönliche Urteil über die eigenen vermeintlich yogischen Eigenschaften so vernichtend aus, dass die Lust auf Yoga direkt geschmälert oder gleich ein Bogen um Yoga gemacht wird.
Yogastudios sprießen nicht nur in Münster aus dem Boden. Yoga ist ein Trend. Yoga ist in aller Munde, eine komplette Industrie – und viele Menschen fühlen sich gerade dieser Tage zum Lehrer berufen, wie ich.

Yogalehrer können sich die nennen, die übertrieben gesprochen an einem Wochenende eine Fortbildung gemacht haben und ihr Wissen anschließend im Fitnessstudio weitergeben. Oder die, die wie wir, eine zertifizierte Yogalehrerausbildung nach AYA machen und sich mit Yoga ganzheitlich auseinandersetzen – körperlich und spirituell.

Beginnen wir am Anfang: „Yoga ist eines der sechs grundlegenden Systeme des indischen Denkens, die unter dem Begriff darshana zusammengefasst werden. Das Wort „darshana“ entstammt der Sanskrit-Wurzel drsh, die wir mit „sehen“ wiedergeben können.
Bei dem alten indischen Gelehrten Patanjali, der das Yogasutra, den klassischen Leitfaden des Yoga, vor rund 2000 Jahren verfasst hat und sich ebenfalls der Frage gewidmet hat, was Yoga ist, heißt es:

„Wir können dabei an einen Spiegel denken, einen Spiegel, der so beschaffen ist, dass wir die Möglichkeit haben, uns selbst zu sehen.“

So wie wir sind. Und nicht, wie wir sein wollen: nämlich so biegsam wie die indischen Yogis oder die dehnbaren Yogamäuse, die ihre akrobatischen Asanas auf Instagram posten.
Yoga bist du! Yoga ist kein Höchstleistungssport, sondern das, was du bist! Yoga soll dir dir Spaß machen, zwanglos sein, aber diszipliniert. Es geht um deine Gesundheit, deinen Geist und deinen Atem! Es geht um dich und dein Selbstbewusstsein nur das zu tun, was dir guttut! Und genau da setzt der Auftrag eines Yogalehrers an: dieses Potenzial jedes einzelnen nicht zu erkennen, denn es ist da – bei jedem! Er muss es fördern, bestärken und in die richtige Bahn bringen – in Anlehnung an den achtgliedrigen Pfad des Patanjali, den ein Yogi beschreiten sollte:

1. Yama – Verhaltensregeln
2. Niyama – Selbstdisziplin
3. Asanas – Körperhaltungen, Yogapositionen
4. Pranayama – Atemtechniken
5. Pratyahara – Positiver Geist
6. Dharma – Konzentration
7. Dhyana – Meditation
8. Samadhi – Erleuchtung

Heutzutage praktizieren viele Menschen Yoga hauptsächlich in Anlehnung an den dritten Pfad – den Asanas. Dabei gibt es da noch so viel mehr: „Von Yoga sind zahlreiche und unterschiedliche Bedeutungen überliefert. Eine davon ist: „die Bewegung des Geistes bündeln“ und eine andere „etwas erreichen, was uns bisher unerreichbar war. Der Ausgangspunkt für diese Vorstellung ist, dass es irgendetwas gibt, das zu tun wir heute nicht imstande sind. Finden wir nun die Mittel, durch die es uns möglich wird, dann ist dieser Schritt Yoga.“

Sich auf sich selbst besinnen und atmen

Was für ein schönes Bild und wie simpel zugleich vermeintlich. Man muss es nur tun: einfach loslaufen! Dabei genügsam sein, sich auf sich selbst besinnen und atmen. Nicht nur nachturnen, sondern sich selbst mit in diese Praxis einzubringen und sich darauf einzulassen. Eine große Aufgabe, die der Yogalehrer da vor sich hat, denn selten sitzt in seiner Stunde nur ein Mensch, sondern viele individuelle, die alle ihr Päckchen mitbringen und aus unterschiedlichen Motivationen heraus zum Yoga gefunden haben.
Wir müssen achtsam sein und aufmerksam – Das gilt sowohl für den Yogalehrer als auch für seinen Zögling.
Ein Patentrezept sich Yoga zu nähern gibt es dabei nicht. So spielt weder eine religiöse Ausrichtung eine Rolle – Yoga hat seine Wurzeln im indischen Denken, aber sein Inhalt ist universell – noch sind besondere sportliche Voraussetzungen mitzubringen.
Wo und wie die Yogapraxis begonnen wird, hängt von den persönlichen Interessen ab: und auch dies gilt für Yogalehrer ebenso wie für den Schüler.

Hier geht´s zum zweiten Teil und hier zum dritten

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