Auf neuen Pfaden unterwegs: Ich habe ein Rad ab

Ich habe etwas richtig verrücktes gemacht: ich bin mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren!  Nach vier Jahren in Münster, wo das Hauptverkehrsmittel Nummer 1 das Fahrrad ist, habe ich es endlich getan und mich auf den Radweg getraut. Das liegt sicher an meinem neuen Yoga-Ich, das nach Bewegung lechzt.

Zwei Monate hat es gedauert und ich bin das Pendeln mit dem Bus in die Stadt leid zu meiner neuen Arbeitsstelle. Die liegt mitten am Bahnhof. Das Auto ist keine Alternative, also Bus. 11 Kilometer.

Ich hatte schon vorher mit dem Gedanken gespielt und jetzt? Jetzt habe ich es getan! Das Wetter war gut – nicht zu warm und nicht zu kalt. Ich beinahe ausgeschlafen und bereit dafür. Also schmiss ich meine Pläne um und den Rucksack vorne in den Fahrradkorb (was mir später zum Verhängnis werden sollte). Die flotteste Route im Handy gecheckt, beim dem Männe, dem erfahrenen Radler bei uns, kurz Tipps abgeholt („Irgendwie kommst du schon zum Bahnhof) und dann schwang ich mich auf die Leeze.

Die Sache mit der Klingel

Schwung hatte ich. Der Duft von Freiheit und Wagemut strotzte in meinen noch frischen Oberschenkeln. Kraftvoll kam ich voran und ich genoss den Blick über weite Kornfelder und schunkelnden Klatschmohn bis ich eine andere Radlerin überholen musste, die eher gemächlich mittig auf dem Radweg fuhr. Mein Daumen zur Linken am Lenker rutschte ins Leere – da war keine Klingel!!! Waaaah! Tempo runter und Mund auf: „Klingeling“, machte ich. Keine Reaktion. „KLING KLING!“, päpte ich und fiel fast vom Fahrrad, weil ich mittlerweile sehr runter gebremst hatte.  Irritiert blickt sich die Dame um, aber wich immerhin sofort aus.

Weiter ging´s in Richtung Innenstadt. Das Verkehrsaufkommen schlingender Radpendler nahm zu. Besonders fies fielen mir die auf Smartphone starrenden Schüler auf – die dieses wohlgemerkt im Fahrradsattel taten. Großzügig umkurvte ich diese schwankenden Gefahren, was sich als ziemlich schwierig herausstellte nachdem es von denen nur so wimmelte. Und dann fahren die auch alle nebeneinander! Tz!

Ich steckte mittlerweile auf Höhe des Aasees in einer Traube von Radfahrern fest, konnte weder nach links noch nach rechts.  An einer großen Kreuzung kamen wir zum Stehen. Meine Beine zitterten. Ich musste irgendwie rechts abbiegen auf der gegenüberliegenden Seite der Straße. Die Ampel sprang auf Grün und unsere Traube setzte sich in Bewegung.

Wir müssen irgendwie an der Frau vorbei!

Ich hängte mich an das Hinterrad eines männlichen Radfahrers vor mir, seine Montur deutete darauf hin, als wüsste er, was er da tat. Im Gegensatz zu mir. Ich hatte nämlich Probleme meine Hände vom Lenker zu nehmen, weil der durch den Rucksack vorne im Korb so behäbig war, dass ich Angst hatte, ich würde umkippen, wenn ich die Hand nach rechts ausstreckte, um den Radfahrern hinter mir zu signalisieren, dass ich abbiegen wollte. „Wir müssen irgendwie an der Frau vorbei“, hörte ich es in meinem Rücken. Smartphone-Schüler!

Ohhhh Gooott…. Ich hatte zwei Möglichkeiten! Entweder in die Defensive gehen, also quasi rechts ran und schieben – oder Killerblick und durch! Ich hab ja hinten keine Augen, nä? Ich entschied mich für letztere Variante und fuhr noch ein bisschen näher auf meinen Vordermann auf. Die Hände feste am Lenker. „KLING! KLING! KLING!“

Ich bahnte mir meinen Weg über die Promenade und kam mir dabei so münster vor. Wohoo! Ich radel zur Arbeit! 11 Kilometer! Juhuuuu! Ich erreichte tatsächlich mein Ziel und japste nach einem Sauerstoffzelt. Zum Glück lief ich meinem Chef in die Arme, dem ich meinen Schlüssel in die Hand drückte. Ich traf vor lauter Zittern das Türschloss nicht. Kehr, war ich stolz auf mich und die selbst gewählte Freiheit, die ich ohne mein neues sportliches Yoga-Ich mit Sicherheit nicht gewagt hätte. Und dann – dann kam der Rückweg!

Mit Gegenwind!

Und schmerzendem Hintern!

Und  mit einer Fliege in der Nase und einer, die ich verschluckte!

Ich verfluchte das Radeln und das Pendeln und die Strecke und mein Fahrrad und meine Oberschenkel und die fehlende Klingel und nochmal meinen Sattel, weil mir mein Hintern wirklich schrecklich schrecklich weh tat. Ich brauchte bestimmt 20 Minuten länger als auf dem Hinweg. Ich legte Pausen ein und fuhr im Stehen einen Teil der Strecke. Ich überlegte mir, was ich in meine Hose stopfen könnte, um sie auszupolstern und hätte ich  vorher gewusst, das Fensterleder helfen, ich wäre die andere Strecke gefahren und bei dm kurz rein, um meinem schmerzenden Pöter Linderung zu verschaffen. Irgendwann erreichte ich unser Zuhause. Mit Puddingbeinen und knallrotem Kopf brach ich auf unserer Fußmatte zusammen. Weit und breit kein Chef in Sicht für die Tür!

An diesem Tag schlief ich abends richtig gut. Ich werde mir jetzt einen Fahrradhelm besorgen. Und Luftpolster-Hosen. Oder wahlweise eben Fensterleder in meinen Rucksack packen, den ich nur noch auf dem Rücken trage!

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