7 Gründe, warum Kinderyoga gut tut

„Und was soll das Ganze?“ Das hat mich neulich mein 85-jähriger Nachbar gefragt, als er wissen wollte, was es bei uns so Neues gibt. Da hab ich ihm von meinem Kinderyogakurs erzählt.

Immerhin ist er ehrlich. Hahaha. Er zog die Augenbraue skeptisch in Richtung Haaransatz und ich musste wirklich erst einmal Luft holen. Dann dachte ich mir: „Ja, aber eigentlich eine ganz berechtigte Frage!“

Massagen und Partnerübungen machen den Kids am meisten Spaß.

Kinderyoga. Genau damit starte ich in meine aktive Yogalehrer-Laufbahn. Weil mich meine Mädels dazu inspiriert und motiviert haben. Die sich gerne ihre eigenen Matten neben meine ziehen: „Mama, wir machen mit!“ Weil ich ein tolles Praktikum in einer Kita hatte und da große strahlende Augen in meine Richtung geblickt haben, die noch ein bisschen mehr aufgingen bei jedem einzelnen „Mamasté!“ (Ja, mit „M.“). Weil das am leichtesten in unseren Alltag mit einfließen kann – diese neue Unbekannte – einen Kurs zu leiten. Listen zu führen, Monatskarten auszustellen und Stunden vorzubereiten.

Kinderyoga macht Spaß

Aber all das habe ich meinem Nachbarn nicht erzählt. Ich habe ihm gesagt, dass Kinderyoga einfach total toll ist für Kinder. Für die Motorik, fürs eigene Körperbewusstsein, für die Konzentration und es macht schlicht und ergreifend wahnsinnigen Spaß. Überzeugen konnte ich den Mann nicht, aber das muss ich auch nicht. Immerhin waren seine Augenbrauen wieder auf Semi-Niveau als wir auseinander gingen.

Eine große Portion Phantasie plus eine noch größere Menge Improvisation, fertig ist das Stundenkonzept.

Es freut mich, dass sich tatsächlich schon eine schöne Gruppe für meinem Premierenkurs gefunden hat. Meine beiden Damen haben in der Schule ordentlich Werbung gemacht. Wie toll ist es, in genau diese erwartungsfrohen Gesichter zu gucken, die Lust haben, Yoga kennenzulernen. Die kreative Ideen mitbringen, Spaß an Bewegung haben und so wache Beobachtungen mit den anderen austauschen. Auf meine Frage, ob sie wüssten, was Meditation sei, antwortete eine Siebenjährige: „Da wird man ganz ruhig in sich selbst.“Na, besser hätte man das nun wirklich nicht beschreiben können.

Thematisch mal auf den Friedhof gehen 

Am liebsten entspannen sich die Kinder. Ich wurde regelrecht von dem Schrei nach mehr Entspannung in der ersten Stunde mit ihnen überrascht. Wieso mir nicht in den Sinn gekommen ist, dass auch so kleine Menschen, deren Alter noch einstellig ist, sich etwas Gutes gönnen möchten? So gut! Ein Vorschlag für ein Gruppenthema war doch tatsächlich: „Friedhof.“ Mir ist erstmal alles aus dem Gesicht gefallen, aber ist es nicht so, dass wir Großen das Savasana wahnsinnig gerne haben und davon nicht genug kriegen? Savasana – die Endentspannung. Die Totenstellung! Bingo!

Potzblitz! Und schon kugelt sich das schöne Konzept die Matte hinunter.

Aber keine Entspannung ohne ein bisschen Bewegung und Asanas. Wöchentlich denke ich mir ein Stundenkonzept aus rund um das Thema, das die Yogis sich wünschen: Gestartet sind wir auf dem Bauernhof, weiter ging es thematisch mit dem Fahrrad in den Wald  („Was? Wir fahren gar nicht in einen echten Wald?“) und beim nächsten Termin dreht sich alles um die Freundschaft. Feststellen konnte ich schon, dass das ausgeklügelte Stundenkonzept für die Katz ist. Bohr, was wollte ich den Damen alles über Bäume erzählen! Ich hatte ganze Bücher gewälzt und Photosynthese gegoogelt. Am spannendsten waren für die Mäuse im Wald aber die Brücken. Über was wir da für Brücken mussten! Und über wieviele. Jeder konnte eine andere zeigen.

Nachts von Bäumen träumen

Da ist sie wieder eine der ältesten Yogalehrer-Regeln der Welt: Du bist nur das, was dein Gegenüber ausmacht. Nimm dich selbst (und dein Wissen über Bäume) nicht so wichtig! Dabei habe ich von der Botanik im Vorfeld sogar geträumt! Jetzt – vor meiner dritten Stunde – bin ich schon entspannter bei der Stundengestaltung. Ich habe einen Riesenberg Partnerübungen in petto, Herzkonfetti für Atemübungen und süße Entspannungsgeschichten dabei. Das soll reichen. Alles andere ist Improvisation und Phantasie.

Und für die die immer noch skeptisch sind, „was das Ganze soll“, hier ein paar Punkte:

Was Kinderyoga kann:

  • Fördert die Koordination und die Haltung. Macht stark!
    Durch die Übungen, die wir machen, trainieren wir die Muskulatur, so dass der müde Körper, der in der Schule viel sitzen musste, wieder geschmeidig wird. Der Energiefluss wird angeregt – in den Nervenbahnen, Nadis, Meridianen und im Lymphozyten- und Blutgefäßen. Da ist ordentlich was los!
  • Fördert das Körpergefühl. Macht zufrieden! 
    Durch Themenstunden rund um den Körper erfahren die Kids, die Aufmerksamkeit auf Körperteile zu richten, die so ganz selbstverständlich da sind: Füße oder Hände zum Beispiel. Wir werfen einen näheren Blick unsere Sinne. So erlangen die Kinder einen Bezug zum eigenen Körper und lernen ihn schätzen.
  • Baut das Selbstwertgefühl auf und löst Spannungen. Macht glücklich! 
    Durch Atem- und Achtsamkeitsübungen lernen die Kinder in den Körper hinein zu spüren. Mal den eigenen Herzschlag wahrzunehmen und den Atem zu beobachten. Atemübungen machen wir in jeder Stunde, zum Beispiel in spielerischer Form, etwa in dem wir große Konfettiherzen mit dem Strohhalm ansaugen. Oder mithilfe der klassischen Yogaatmung. Viele Kinder fühlen sich schon in den jungen Jahren, die sie haben, gestresst. Schule, Hobbys, die schnelllebige Welt sorgen dafür, dass ihnen das auf den Magen schlägt und viele über Bauchschmerzen klagen. Beim Yoga wird besonders das Bauchgefühl durch Atemübungen und Dehnungen verbessert und Spannungen können abgebaut werden.
  • Steigert das Sinneswahrnehmungen
    Durch den spannenden Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung (Yin und Yang) erfahren die Kinder, wie sie sich selbst auch beruhigen können. Zum Beispiel, wenn sie nervös sind vor einer Klassenarbeit.
  • Fördert die Selbstentfaltung
    Ich versuche die Ideen der Kinder in die Stunde einfließen zu lassen. Dadurch fühlen sich die Kinder (hoffentlich) gehört und ernst genommen. Beim Yoga geht es nicht um Leistung. Alles ist gut so wie es ist, Hauptsache es wird versucht. Es gibt kein richtig und kein falsch. Das löst schon mal die eigene Erwartungshaltung, ergo den Stress.
  • Stärkt die Konzentration 
    Yoga öffnet und klärt den Geist, was den Kids in der Schule zugute kommt.
  • Kostet nicht viel Geld
    Man braucht nur wenig Platz und keine teure Zutaten: eine simple, rutschfeste Matte langt im Grunde und gemütliche Klamotten, in denen man sich wohlfühlt reichen vollkommen aus. Und: man yogisiert barfuß. Man braucht also nicht dauernd neue Schuhe für die schnell wachsenden Kinderfüße!

Und wer nochmal nachlesen möchte, was eigentlich Yoga ist? Hier geht´s zum ersten Teil.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.